Montag, 12. April 2010

Hasbaras willige „linke“ Vollstrecker

Das Finkelstein-Mobbing

Über Polit-Hasardeure, die vorgaukeln ideologisch Links zu stehen und einige, die gegen Handgeld pro-imperialistische Kriegspropaganda, pro-zionistische Reklame, „antibolschewistische“ Hetze ankurbeln, Andersdenkende in der Öffentlichkeit denunzieren und en passant im Interesse des Staates Israel das Grundrecht auf Meinungsfreiheit in Deutschland aushebeln.

Von Jürgen Cain Külbel in GEHEIM, Heft 1/2010, S. 10 ff.

„Im Garnisonlazarett in Zossen fand am Dienstagnachmittag (3. Juni 1919) die Obduktion der Leiche Rosa Luxemburgs statt. Die Obduktion wurde durch Geheimrat Strassmann und Geheimrat Bier, sowie den Gerichtsarzt Dr. Störmer vorgenommen. Die Leiche befindet sich schon im fortgeschrittenen Stadium der Verwesung. Von der Schädeldecke waren größere Teile der Kopfhaut und der Haare losgelöst. Das Gesicht war vollkommen verschwommen und aufgedunsen. Einzelne Gesichtszüge ließen sich nicht mehr erkennen, zumal auch größere Hautfetzen fehlten. Die Sektion ergab den überraschenden Befund, dass die Schädeldecke der Leiche vollkommen unverletzt war. Weder die Knochenwölbungen, noch die Nähte weisen auch nur die geringste Verletzung auf, welche darauf deuten lässt, dass der Schädel von Kolbenschlägen getroffen worden ist, wie dies doch zweifelsohne bei Frau Luxemburg der Fall gewesen ist. Dagegen zeigte die Tote eine Wunde an der linken Stirn. So wurde deshalb die Schädeldecke geöffnet. Das Gehirn war vollkommen in Verwesung übergegangen, so dass also nicht mehr festzustellen war, ob die Kugel in das Gehirn eingedrungen war.“


(Quelle: ‚Zum Funde der Leiche Rosa Luxemburgs’ in: Freiheit. Berliner Organ der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands, Nummer 267, Mittwoch, den 4. Juni 1919)

Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht waren am 15. Januar 1919 in der Mannheimer Straße 27 in Berlin-Wilmersdorf von einer Bürgerwehr festgenommen und der Garde-Kavallerie-Schützen-Division, dem größten der damals frisch aufgestellten Freikorps, übergeben worden. Nach Verhör und Folter im Hotel Eden befahl der Kommandant Waldemar Pabst beide zu ermorden. Nachdem der Jäger Otto Wilhelm Runge Rosa Luxemburg hinterrücks mit dem Gewehrkolben niedergeschlagen hatte, sprang der Freikorps-Leutnant Hermann Souchon beim Abtransport der schwer Verletzten auf den Wagen und erschoss sie durch aufgesetzten Schläfenschuss. Die Mörder warfen die Leiche anschließend in den Berliner Landwehrkanal. Erst am Samstag, den 1. Juni 1919, entdeckte der Schleusenwärter der Tiergarten-Schleuse die geschundene Tote und barg sie.

Mörder und Mittäter - Bürgerwehr, Schützendivision, Freikorps und Propaganda-Organisationen - wurden seinerzeit aus dem „Antibolschewistenfonds“ bezahlt. Den hatten führende Vertreter des deutschen Industrie-, Handels- und Bankenkapitals am 10. Januar 1919 eingerichtet und mit 500 Millionen Reichsmark ausgestattet. Eduard Stadtler schreibt in seinen Lebenserinnerungen, er selbst habe Gustav Noske zum Militäreinsatz gegen die Berliner Rätebewegung geraten und dem Hauptmann Pabst, Erster Stabsoffizier der Garde-Kavallerie-Schützen-Division, die Ermordung von Liebknecht und Luxemburg am 12. Januar 1919 nach Vorsprache bei Noske wie folgt persönlich nahe gelegt: ‚… das Parlament könne uns Frontsoldaten gestohlen bleiben, auf Männer und Taten käme es an; wenn auf unserer Seite vorerst keine Führer zu sehen seien, dann dürfte wenigstens die Gegenseite auch keine haben.’“ (1)

Die zweite Hinrichtung Rosa Luxemburgs

Einundneunzig Jahre später, am 17. Februar 2010, folgte der körperlichen Liquidation der bedeutenden Vertreterin der europäischen Arbeiterbewegung und des proletarischen Internationalismus die ideologische. Luxemburgs hehre politische Ziele, wie soziale Befreiung, kollektive Selbstbestimmung, Existenz- und Freiheitsrechte der Menschen, manifestiert in ihrem berühmten Satz „Freiheit ist immer Freiheit des Andersdenkenden“, wurden von keiner geringeren als der Rosa-Luxemburg-Stiftung Gesellschaftsanalyse und Politische Bildung e. V. (RLS), eine der Partei Die Linke nahestehende Berliner Einrichtung desavouiert: „Die RLS zieht ihre Raumzusage für den geplanten Vortrag von Norman G. Finkelstein unter dem Titel ‚Israel, Palästina und der Goldstone-Bericht über den Gaza-Krieg’ am 26. Februar 2010 in Berlin zurück. Dazu erklären der Vorstandsvorsitzende der RLS, Heinz Vietze, und das geschäftsführende Vorstandsmitglied Florian Weis: ‚Wir halten eine Auseinandersetzung mit dem Goldstone-Report für dringend geboten. Die politische Brisanz eines Vortrages ausschließlich von Norman Finkelstein zu diesem Thema haben wir allerdings unterschätzt, als wir im Dezember 2009 einen Raum für dieses Vorhaben zusagten. Wir bedauern dies zutiefst.’“ (2)

Was war geschehen? Professor Dr. Rolf Verleger, Vorsitzender der Jüdischen Stimme für gerechten Frieden in Nahost e.V., fasst den Fall zusammen: „Dr. Norman Finkelstein hat seinen Flug nach Deutschland storniert. Er wollte vom 24. bis 26. Februar in München, Milbertshofen und Berlin sprechen. Dieser (Vortrag) zeigt klare Kante. Er verstößt gegen die Sprachregelung der deutschen Politik. Er verstößt gegen die Sprachregelung der großen deutschen Medien. Und er spricht die Wahrheit aus. Vor dieser Wahrheit hat die hiesige Lobbygruppe des israelischen Schlag-zu-Nationalismus große Angst. Also wurde eine Kampagne geführt. Der auf seine elterlich-jüdische Tradition stolze Finkelstein wurde als ‚Antisemit’ und ‚Geschichtsrevisionist’ diffamiert, mithin in die Nazi-Ecke gestellt. Die Jüdische Gemeinde Berlin, jüdelnde Gruppen in Der Linken (Arbeitskreise namens Shalom) und ein jüdischer Arbeitskreis in der SPD riefen zur Demonstration gegen Finkelstein auf. Mit diesen Gruppen wollte es sich die Evangelische Kirche ohne Not nicht verderben, ebenso die Parteistiftung der Grünen, und ebenso die Parteistiftung der Linken: Sie alle zogen ihre Zusagen zur Organisation der Veranstaltung zurück. Da nutzte es nicht genug, dass Finkelstein selbst Jude ist und dass wir, die Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost, Mitveranstalter waren. Es gab eine neue Raumzusage der Junge-Welt-Galerie in Berlin. Aber dies ist ein relativ kleiner Saal, und Finkelstein schätzte die Lage nun so ein, dass die Streitereien sein Anliegen, das im Titel des Vortrags zum Ausdruck kommt, zu sehr überlagern würden. Er sagte ab.“ (3)

Finkelstein hat mit seinen Arbeiten oft schon für kontroverse Diskussionen gesorgt, er ist vielfach angefeindet worden. Sein Anliegen erklärt Finkelstein so: ‚Die moralische Herausforderung, die sich für die Deutschen ergibt, könnte nicht größer sein. Sie besteht darin, einerseits der Verantwortung gerecht zu werden, die ihnen aus den Verbrechen des ‚Dritten Reichs’ gegen das jüdische Volk erwächst, es andrerseits aber auch nicht zuzulassen, dass ihnen aufgrund dieses schrecklichen Vermächtnisses das Recht abgesprochen wird, aktuelle Verbrechen anzuprangern, nur weil diese von einem Staat begangen werden, der sich selbst als jüdisch definiert. Sich dieser Herausforderung zu stellen, ist in Wahrheit die würdigste Form der Holocaust-Erinnerung.’“ (4)

Doch der Bundesarbeitskreis Shalom (BAK) - „Plattform gegen Antisemitismus, Antizionismus, Antiamerikanismus und regressiven Antikapitalismus der Linksjugend ['solid]“ - sieht das völlig anders. Nachdem es Honestly Concerned, einem „Club für Lobbyismus und Propaganda im Sinne Israels mit Sitz in Frankfurt“ (5), der seit 2002 mittels umfangreicher E-Mail-Listen israelkritische Artikel mit Kommentaren zu diffamieren oder durch Druck auf die Herausgeber zu verhindern sucht, gelungen war, die Veranstaltungen Finkelsteins in München, Milbertshofen und Berlin zu sprengen, bot die linke Tageszeitung Junge Welt dem Mobbing-Opfer ein Rede-Asyl.

Eiligst brachte nun BAK Shalom seine Berliner Propaganda-Soldaten gegen Finkelsteins Recht auf freie Meinungsäußerung in Stellung, denn, so BAK Shalom: Der amerikanische Jude „ist für seine extremen und revisionistischen Aussagen und Standpunkte bekannt… Finkelstein ist international bei Antisemiten beliebt, weil ihm allein durch die Tatsache, dass er sich als Jude und Sohn von Holocaust-Überlebenden bezeichnet, Glaubwürdigkeit und die absolute Wahrheit bescheinigt wird. Fakten und wissenschaftliche Forschung spielen bei der Verbreitung seiner Thesen eine untergeordnete Rolle.“ Die links-zionistische Landsmannschaft (6) stand sofort Gewehr bei Fuß, um den Auftritt Finkelsteins in der Hauptstadt zu verhindern.

Das Krawall-Netzwerk „Elfter Finger“

Das Führungspersonal für psychologische Kriegspropaganda und digitale Denunziation ist im Allgemeinen nicht besonders wählerisch, was die Auswahl der Rekruten betrifft. Sie freien alles, was der propagandistische Strich hergibt, hier und da für punktuelle, bisweilen für dauerhafte Kollaboration. Am 20. April 2009 titelte der Korrespondent Barak Ravid in der liberalen Tel Aviver Tageszeitung Haaretz, „Israel rekrutiert die Schwulengemeinschaft für PR-Kampagnen gegen den Iran“. Ravid schrieb, sein Land „verschärfe fortan die PR, um den Iran in der internationalen Gemeinschaft diskreditieren zu können“. Und die neue Kampagne, von Premier Benjamin Netanyahu and Außenminister Avigdor Lieberman abgewinkt, „fokussiere sich auf Verletzung der Menschenrechte und Unterstützung des Terrorismus, einschließlich der Misshandlung von Schwulen und Lesben“ im Iran. Aktivposten in der Gegenpropaganda müsse daher die internationale Schwulengemeinschaft werden; das Außenministerium stellte zum Anheuern 8 Millionen Neue Schekel (1,5 Millionen Euro) bereit. Das Geld werde zum verstärkten Aktionismus im Internet, auf Seiten wie Youtube beispielsweise, sowie zur „Instruktion“ ausländischer Journalisten verwendet. (7)

So etwas läuft im deutschen Teil des Internets seit Jahren wie geschmiert. Die israelische Hasbara, eine Propagandaabteilung des israelischen Außenministeriums und bekannt für „zionistische Propaganda mit Nazi-Methoden“ (8), greift offenbar gern auf die Erfahrungen ihrer deutschen Kameradschaft zurück, die im Jahre 2005 unter Teilnahme von 60 bis 80 Bloggern - darunter einige aus der Szene der sogenannten schwulen Kampfblogger - und unter ziehväterlicher Obsorge der Zeitungsschreiber Henryk M. Broder (Spiegel, Achse des Guten), Hannes Stein, (damals Die Welt, Achse des Guten), Dirk Maxeiner und Michael Miersch (Die Welt, Achse des Guten) auf dem Münchner Nockherberg aus der Taufe gehoben wurde. (9)

Ein „Aussteiger“ aus diesem Geschäft berichtete gegenüber GEHEIM, „die Schnittmenge beider Gruppen (Werber und Angeworbene) läge im so genannten Hedonismus“. (10) Ein bekannter Spiegel-Autor „fängt diese Leute (hierzulande) mit seiner instrumentalisierten Islamkritik ein. Er behauptet, Moslems seien aggressiv antihomosexuell und nimmt ein paar Auswüchse zum Anlass, um sich als Beschützer von Minderheiten aufzuspielen. In Wirklichkeit verachtet er sie, tritt nur abstrakt als alter (Porno-) Nachrichten-Journalist für sexuelle Freiheiten ein. Aber auch nur soweit sie ihm nutzen. Er frisst auch gern, reist gern, hatte einst auch gerne Sex…. Was nun die Schwulen angeht, dabei denke ich immer an den auffallenden und aggressiven Teil, so darf man ruhig einmal deutlich benennen, warum man sie nervend findet.“ (11)

Genau. Das triviale deutsche Blog Gay West, bewirtschaftet von den unter Anonym schreibenden Damien und Adrian, die sich darin an allerlei irdischen und politischen Befindlichkeiten den „Elften Finger“ betreffend reiben, fungiert als eine Art Pausenraum für einige dieser „nervigen“ deutschen Blog-Narren im pro-zionistischen Käfig. Es ist tatsächlich eine illustre Gesellschaft, die sich da mit den Schwestern von Gay West verlinkt hat: Benjamin Krüger, der Sprecher vom BAK Shalom zum Beispiel mit seinem Blog „Milch & Honig“ oder Alexander Feuerherdt (Lizas Welt), Gideon Böss (Welt Blog) und Thomas von der Osten-Sacken (Wadiblog) – sämtlich Dauergäste auf der berüchtigten Islam-Basher-Achse des Guten. Aber auch kleinere Blog-Lichter findet man hier, solche, die im deutschen WWW die Drecksarbeit machen, anonym versteht sich, die dort die Sau rauslassen und kein Blatt vor den Mund nehmen, wenn ein Israelkritiker vernichtet werden soll; Rücksicht auf Würde oder Lebensleistung eines Menschen kennen sie nicht. (12)

Jene Blogger sind Teil weitaus umfangreicherer, schier unübersichtlicher Hasbara-Netzwerke (ein Blick auf die jeweils individuelle Blogroll genügt), die ihre politischen Heilslehren vor allem in rechten neokonservativen Think Tanks der USA suchen und/oder direkte Instruktionen vom israelische Außenministerium erhalten. Dort Angestellte beobachten Webseiten und Internetforen, um ultrarechtsradikalen zionistischen Aktivisten in den USA und Europa Hinweise geben zu können, wo sie zur Unterstützung der zionistischen Politik „journalistisch“ eingreifen können. Zu dem Zweck wurde die Software Megaphone Desktop Tool entwickelt, ein Microsoft Windows Programm, welches von der World Union of Jewish Students und anderen ultrarechtsradikalen, zionistischen Organisationen (13) über die Webseite giyus.org distribuiert wird.

Die Software, am 19. Juli 2006 veröffentlicht, verbindet sich mit einem Server des israelischen Außenministeriums und holt von dort eine Liste mit israelkritischen Veröffentlichungen, so genannten Alerts. Selbstverständlich kann man mit dem Tool auch “Meldung machen”. Auf die Weise kann die zionistische Regierung äußerst schnell eine Vielzahl von Aktivisten informieren, die sich dann auf die kritischen Webseiten stürzen; Foren und Kommentar-Funktionen werden sofort mit pro-israelischer Meinungsmanipulation regelrecht geflutet. Für Außenstehende ergibt sich das Bild einer “breiten Zustimmung” zur zionistischen Politik. (14)

Der „Antibolschewistenfond“ hat ausgedient, es lebe der Finanztopf der Hasbara

Ein Blick auf die Blogroll des BAK-Shalom Sprechers Benjamin Krüger (15) spricht Bände: Von dort geht es direkt zu Matthias Küntzel, der unter anderen für das neokonservative US-Meinungsmagazin Weekly Standard schreibt, im US-amerikanischen Club für Kriegstreiberei (16), dem American Enterprise Institute auftritt, wo ihm der US-Amerikaner Michael Ledeen, ein ehemaliger Geheimdienstmann und Kriegspropagandist, assistierte (17). Oder gar zum Mideast Freedom Forum Berlin, wo Benny Morris, umstrittener Geschichtsprofessor an der Ben-Gurion-Universität (18), auf der Berliner „Iran-Konferenz“ am 2. und 3. Mai 2008 hetzte, dass „alles in allem ein Nuklearschlag (gegen den Iran) besser als ein zweiter Holocaust sei“. (19) Oder zum antideutschen Flaggschiff Thomas von der Osten-Sacken, der im Jahr 2002 den Deutschen den damals noch bevorstehenden Irak-Krieg schmackhaft schrieb. Und so weiter. Die Geschichte zu diesen Netzwerken ist noch nicht geschrieben. Sie täte Not, da die in Deutschland sich „links dünkenden Antideutschen, in Wahrheit deutsche Anti-Linke und Zionisten (sind), die seit längerem Schrecken unter den Gegnern der israelischen Staats- und Regierungspolitik verbreiten. Von der Propaganda-Abteilung (Hasbara) des israelischen Außenministeriums finanziert, überschwemmen sie Foren und Blogs meist anonym mit Unflat und Drohungen und greifen auch zu Gewalt. Sie setzen Zionisten mit Juden gleich – ein klassisches judäophobes Muster – und beschimpfen antizionistische Juden als Selbsthasser. Im gleichen Atemzug diffamieren sie die Zweifler an der hanebüchenen Bush-Version über die Attentate vom 11. September 2001 mit dem zum Schimpfwort pervertierten Begriff Verschwörungstheoretiker, grenzen Muslime aus und preisen im übrigen, links bemäntelt, angebliche Freiheit und Demokratie in den USA und Israel.“ (20)

Anfang Juli 2009 erschien ein Artikel auf der Website der Zeitung Jedioth Ahronot, in dem das „neue Programm“ des israelischen Außenministeriums zur Intensivierung des Propagandakampfes im Ausland, hauptsächlich in Europa und den USA, vorgestellt wurde. Der Projektleiter Ilan Shturman, zugleich Stellvertretender Direktor der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit im Außenministerium, erklärte, wie sich das Projekt während des Überfalls auf Gaza im Januar 2009 entwickelte: „Während der Operation ‚Gegossenes Blei’ wandten wir uns an die jüdischen Gemeinden im Ausland und mit ihrer Unterstützung warben wir mehrere tausend ehrenamtliche Helfer an. Wir schickten ihnen Hintergrund und PR-Material, damit sie die israelische Perspektive in den Nachrichten-Websites im Internet vertreten. Unser Zielpublikum war damals die europäische Linke, die unfreundlich gegenüber der Regierungspolitik Israels war. Deswegen haben wir angefangen, uns in Diskussionen in Blogs in England, Spanien und Deutschland einzumischen. Sehr feindselige Umgebungen.” 600.000 Neue Israelische Shekel (117.234 Euro) standen den Bloggern 2009 zur Verfügung. (21) Wie viel von dem Handgeld nach Deutschland gegangen ist, weist der Bericht nicht aus. Das Megaphone Desctop Tool fand sich in den einschlägigen Webauftritten nahezu inflationär.

Vom Fangschuss zum Rohrkrepierer

Der ideelle Fangschuss, den die Berliner RLS abfeuerte, könnte zum Rohkrepierer werden, denn sie verwehrte Finkelstein das Recht auf Meinungsfreiheit. Es ist ein Novum in Deutschland, dass eine linke Einrichtung, die sich mit dem Namen Rosa Luxemburgs schmückt, diesen furchtbaren Schritt gegangen ist. Doch: Die RLS ist den Hasbaratschiks auf den Leim gegangen, schluckte den Köder der „ungerechtfertigten Gleichsetzung von Kritik an Israels Unrecht mit Antisemitismus“ (22). Und dass es innerhalb der Partei die Linke gärt, ist bekannt; längst reiben sich dort die traditionellen Antiimperialisten mit diesen vermeintlich „modernen“ Linken (landläufig unter dem Begriff Antideutsche bekannt), denen Imperialismus und Kriege offenbar ein Herzensbedürfnis geworden sind.

Auch der Verfassungsschutz wundert sich jedes Jahr aufs Neue über diese Brüder: „Unter den antifaschistischen Linksextremisten vertreten so genannte Antideutsche eine neuere Strömung, die noch vor wenigen Jahren als sektiererische Spinnerei abgetan wurde. Ihre uneingeschränkte Solidarität mit dem jüdischen Volk und dem israelischen Staat sowie den USA haben zu einem tief greifenden Bruch in der linksextremistischen Szene geführt. Antideutsche definieren ihre Gegnerschaft zum Staat insbesondere darüber, dass sie allen Deutschen Antisemitismus und den Wunsch nach Großmachtstreben unterstellen. Vertreter dieser Richtung unterstützen den militärischen Einsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak, den sie als ‚Kampf gegen die zivilisationsfeindlichen Kräfte des fundamentalistischen Islamismus’ betrachten, sowie die Politik Israels. Während autonome Linksextremisten Nation und Staat als Konstrukte bürgerlicher Herrschaft grundsätzlich ablehnen, fordern Antideutsche in ihrer uneingeschränkt israelfreundlichen Haltung für alle Juden ein Gebiet auf nationalstaatlicher Basis. Im Kampf gegen Antisemitismus verdienten ihrer Auffassung nach die USA Dank, weil sie Deutschland vom Nationalsozialismus befreit hätten und Israel schützten. Den inhaltlichen Widerspruch, einerseits ein vermeintlich imperialistisches Deutschland zu bekämpfen und andererseits die USA – aus Sicht der meisten Linksextremisten – als Inbegriff des Imperialismus zu unterstützen, ignorieren Antideutsche.“ [23]

Längst arbeiten einige dieser deutschen Hasbaratschiks, die sich in Die Linke eingegraben haben, nicht mehr nur fakultativ; gern beziehen sie ihr Salär auch aus Steuergeldern. Einige der Shalomis (BAK Shalom) hatten oder haben Arbeit bei Mitgliedern des Bundestages gefunden. Sebastian Meskes zum Beispiel war Büroleiter beim Mitglied des deutschen Bundestages und energiepolitischen Sprecher der Linksfraktion, Hans-Kurt Hill, ehe er Büroleiter bei Thomas Lutze, Mitglied des Bundestages für Die Linke, wurde. Oder Benjamin-Christopher Krüger, Sprecher des BAK Shalom, früher Mitarbeiter im Büro von Bodo Ramelow, werkelt nun als Büroleiter bei Frank Tempel von Die Linke. Erinnert sei daran, dass es eben jener Krüger war, dessen Lieblingspolitiker Barack Obama ist, der die BAK-Clique im Finkelstein-Mobbing anführte. Krüger als auch Ramelow sind Mitglied der Deutsch-Israelischen Gesellschaft.

Eine Quelle teilte Geheim mit: „Aus dem Bundessprecherrat hat man mir gesagt, dass wahrscheinlich Politiker wie Petra Pau und Bodo Ramelow die Shalomis mit Spenden versorgen - über diese Mittel verfügt dann nur der BAK Shalom und da kann man (leider) keiner Widerspruch einlegen.“ [24] Geheim, das sich diese Quellenaussage nicht zu eigen macht, fragte bei Ramelow und Pau an. Der Thüringer Linkspolitiker Bodo Ramelow fand eine diesbezügliche Diskussion nicht zielführend, eher denunzierend, und verbat sich, aus seiner Email-Antwort zu zitieren. [25] Und die Linkspolitikerin Petra Pau umschiffte in ihrer Emailantwort das Thema der etwaigen Spendenversorgung ganz und gar: „Shalom ist meines Wissens nach ein selbstorganisierter Zusammenschluss innerhalb der Partei Die Linke. So viel ich weiß, umfasst er Mistreiterinnen und Mitstreiter, aber keine Mitarbeiter im angestellten oder bezahlten Sinne. Ob und in welchem Umfang der BAK Shalom (finanzielle) Zuwendungen der Partei erhält, erfragen Sie bitte beim Parteivorstand. Ich weiß es nicht. Aber selbst wenn, so wäre dies nicht direkt mit einer Steuer-Finanzierung gleichzusetzen.“ [26] Eine ähnliche Anfrage erhielt Frau Pau, die auch die zionistische Kampagne "Stop the Bomb", in der sich Anhänger der Verschwörungstheorie „Iran hat die Bombe“, darunter auch BAK Shalom, versammeln, um den Persern die nicht existierende Atombombe wieder abzunehmen, von anderer Seite am 24. März 2009: „Anlässlich der Eröffnung des Rosa Luxemburg-Zentrums in Tel Aviv (sic) hat das israelische Alternative Zentrum in einem Artikel über eine Gruppierung der jungen Linken, Shalom berichtet. ....’mit finanzieller Unterstützung der Partei veranstaltet sie ‚events’ für Israel, verteilt rassistische und militärische Propaganda und terrorisiert Mitglieder, die es wagen Israel zu kritisieren’. Unter anderen Beispielen wird der Rückzug des Duisburger Oberbürgermeister-Kandidaten der Linken angeführt’. Stimmt es, dass Shalom finanziell für diese ‚events’ unterstützt wird? Paus Antwort scheint dem Reich von Copy & Paste zu entstammen: „Ob die BAGemeinschaft Shalom für ihre politische Arbeit finanziell von der Partei Die Linke unterstützt wird, weiß ich nicht. Diese Frage müssten Sie bitte an den Vorstand der Partei Die Linke richten.“ [27]

Die Diskussion in Sachen Infiltration von Die Linke durch pro-imperialistische und pro-zionistische, vorgeblich „linke“ Suborganisationen ist längst überfällig. Spätestens seit Gregor Gysi, Fraktionsvorsitzender der Linksfraktion im Bundestag, die Scheunentore bis zum Anschlag aufriss: Am 14. April 2008 mahnte er in einer 16 Seiten langen Rede auf einer Veranstaltung der RLS die Linke zur „Solidarität mit Israel“. Er bekannte sich dazu, dass sie Teil der „deutschen Staatsräson“ sei und warnte vor dem „Antizionismus", den viele Linken betrieben. „Der Begriff des Imperialismus trifft auf Israel auf jeden Fall nicht zu“, lautete das Credo Gysis, der den selbsternannten „Antisemitenjäger“ Henryk M. Broder, der wiederum als Ziehvater jener BAK Shalom- und Blogger-Laffen gelten darf, als seinen „lieben“ bezeichnet. [28, 29] Gysi stört sich offenbar überhaupt nicht daran, das Broder dessen Lebenswerk, „die Linke, die aus der PDS entstanden ist“ als „Nachgeburt der SED“ in den Dreck zieht. [30] Und erst recht nicht am einstigen US-Brückenkopf gegen Moskau und heutigen gegen Islam, Palästinenser, Araber und Perser - dem proamerikanischen, antidemokratischen und expansionistischen Israel.

Ein Paradox? Nicht unbedingt. Vielleicht die Basis für den bislang größten Sieg dieser gesteuerten Infiltranten - neben dem Mobbing des Juden Finkelstein: Nämlich, den sozialdemokratischen Parteien SPD und Die Linke nicht nur den rechten Rand ausgebaut zu haben, sondern auch führende Mitglieder der Parteien auf pro-imperialistischen Kurs gebracht zu haben, der uneingeschränkte Solidarität mit dem Daueraggressor und illegal Atomwaffen besitzenden Apartheidstaat Israel als linke Selbstverständlichkeit voraussetzt. Eigentlich besteht Handlungsbedarf. Rosa Luxemburg würde sie alle zur Stadt herausjagen, die Großkopferten und die Internet-Trolle und die Shalomis sowieso. Aber vorerst wurde sie von ihrer eigenen Stiftung zum zweiten Male erschossen.

Die Revolution ist großartig, alles andere ist Quark!
Rosa Luxemburg (1870 - 1919)

(Quellen: siehe Originaltext im Heft)